Gründer und Inhaber von RegionalPioniere. War einige Jahre beim Generalunternehmer 4Wände GmbH im Bereich Projektentwicklung, Betriebsaufbau einer Betreibergesellschaft tätig.

1989 veröffentlichte der US-amerikanische Soziologe Ray Oldenburg das Werk ‘The Great Good Place‘, in welchem er sein Konzept des Dritten Ortes erstmals umfassend vorstellte. Seiner Auffassung nach dient der Erste Ort, das Zuhause, in erster Linie dem Familienleben, dicht gefolgt vom Zweiten Ort, der sich im Wesentlichen dem Arbeitsleben widmet. Third Places bzw. Dritte Orte jedoch sind öffentliche Orte. Orte der Begegnung, die Räume für spontane, kommunikative und gesellige Treffen bieten. Ein Platz, an dem man Freunde treffen oder neue Bekanntschaften schließen kann. Doch was heißt das genau?

Die 8 Merkmale Dritter Orte

Oldenburg zufolge soll ein Dritter Ort acht Charakteristika aufweisen: Erstens befindet er sich auf neutralem Boden, jeder außer den dort arbeitenden Menschen kann kommen und gehen, wie es ihm beliebt. Zweitens steht er grundsätzlich allen Bevölkerungsschichten offen und soziale Unterschiede werden abgeschwächt. Drittens ist Konversation erwünscht. Viertens sind Dritte Orte einfach zu erreichen. Fünftens verfügen sie über Stammgäste. Sechstens steht die Optik des Dritten Ortes nicht über seiner Funktion, Oldenburg spricht von einem “low profile”. Siebtens herrscht eine spielerische (“playful”) Stimmung, allzu ernste Themen werden vor der Tür gelassen. Achtens dient der Dritte Ort als zweite Heimat bzw. Zweitfamilie.

In der heutigen Zeit verschwimmen die Grenzen dieser Theorie von Ray Oldenburg immer mehr. Arbeit wird mit nach Hause genommen (Home Office), der Betriebskindergarten bringt die Familie in die Arbeitsstrukturen oder es entstehen völlig neue Konzepte, wie Coworking in Hotels, Coliving u.Ä.. Die Entwicklung von flexiblen Arbeitsstrukturen im Kontext New Work ermöglichen jedoch erst diese Konzepte. Für solche modernen Mehrfunktionshäuser können diese klassischen, voneinander abgegrenzten Orte nach Ray Oldenburg nicht mehr verwendet werden. Eine neue Dimension öffnet sich, und damit muss in der Begriffsklärung auch ein „neuer“ Ort entstehen. Ein sogenannter “4th Place®”.

 

Der nächste Schritt: 4th Places®

Der Begriff des 4th Place® ist neu, eine allgemein gültige und wissenschaftlich erarbeitete Definition existiert noch nicht. Bisher taucht der Begriff nur in zwei wissenschaftlichen Artikeln auf, die aufgrund der genannten Verschiebungen der Arbeits-, Haus- und Gemeinschaftsorte die Empfehlung für eine Neudefinition eines 4. Ortes empfehlen. Die RegionalPioniere wagen einen ersten Versuch einer solchen allgemeinen Definition. Eine wissenschaftliche Untersuchung und Erarbeitung des Themas wird im Austausch mit verschiedenen Hochschulen, sowie im Rahmen von studentischen Projekt- / Abschlussarbeiten gestartet. Ich freue mich über Hinweise und Ergänzungen, gerne auch eine Diskussion zu dem neuen Begriff.

 4th Places ist eine Ergänzung der, durch Ray Oldenburg aufgestellten, Theorie der 1st, 2nd, und 3rd Places. Der erste Ort (1st) ist in dieser Theorie das Zuhause, der erste Lebensraum für Kinder und Rückzugsort für Familien. Der zweite Ort (2nd) definiert sich als (externer) Ort des Arbeitens außerhalb des Wohnraums, also auch (Hoch-) Schulen und Bildungsangebote. Der dritte Ort (3rd) dagegen ist als Gemeinschaftsort beschrieben, Durch die global erkennbaren Veränderungen in der Arbeitswelt vermischen sich diese voneinander abgegrenzten Orte immer mehr. Daher beschreiben 4th Places multifunktionale Orte, die sowohl für Wohnen (auch temporär), Arbeit und Gemeinschaft, Kultur und Leben bewusst oder unbewusst genutzt werden können.

Mein Wunsch ist, …

…dass deutschlandweit 4th Places® entstehen. Orte, an denen man sich trifft, lernt, erlebt, spürt, arbeitet. Und das alles in völlig unterschiedlichen Settings: Der Hotelbesucher, der nach dem Seminar noch Sport machen möchte, der junge Vater, der eine Kinderbetreuung vorfindet und im Co-Working-Space seine Selbständigkeit vorantreibt, u.v.m.. Vor allem in ländlichen Räumen möchte ich solche Orte etablieren, denn mal ehrlich: Was nützt der 100. Co-Working-Space in der Münchener Innenstadt für die Wohnungsnot und die Pendlerströme?

 

 

Aber zugegeben: Nicht überall sind solche komplexen und eher kostenintensiven Gebäude realisierbar. Multifunktional bauen heißt vor allem auch auf die Bedürfnisse der Umgebung und der Stadt zu achten. So können sogar mit kleinem Budget multifunktionale Gebäude entstehen. Es muss nicht immer der Neubau sein. Die Frage ist doch: Wie können bestehende Räume in Leerstand wieder neu belebt werden? Dabei ist auch eine Quartiersentwicklung in Zusammenarbeit mit der Stadt und den interessierten Trägern denkbar, die nicht auf ein einzelnes Gebäude beschränkt ist, sondern das große Ganze in den Blick nimmt.